Rezensionen

#1 von herbert , 22.06.2015 09:36

Mal ein paar Gedanken zu Modell-Rezensionen! Ich denke man sollte eine Modell-Rezension trennen, in Bezug auf die reine Beurteilung des Modells und einer mehr oder weniger ausführlichen Betrachtung des Originals/Vorbilds! Eine Rezension über ein erschienenes, gekauftes, Modell, bezüglich dessen Qualität, halte ich aber (fast) für überflüssig!
Eine Rezension bzw. Überprüfung sollte schon beim Hersteller, vor der Serienproduktion, erfolgen! So wird es bei Classic-Ship gemacht! Das Ergebnis ist selbstredend! Es wurden schon bis zu vier Prototypen gebaut, bis man mit dem Ergebnis zufrieden war und es zur Produktion freigegeben hat! Kontrolle der Abmessungen, der Farben, der machbaren, umsetzbaren, Details! Als Rezension bleibt da eigentlich nur, …ist super …ist zu detailliert …ist zu teuer!!!
Eine Rezension nach dem Erscheinen eines Modells bringt wenig; der Hersteller weiß selbst, was er fabriziert hat und der Sammler hat sein Wunschmodell auch schon, unabhängig von der Qualität, in der Vitrine stehen! Der Hersteller wird sich natürlich über ein Lob freuen, im Negativen ist es ihm aber egal und er macht weiter wie bisher, die Modelle werden ja, meistens, trotzdem gekauft!

Herbert Hils



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RE: Rezensionen

#2 von Michael Andreas , 22.06.2015 10:04

Es ist schön, daß der Hersteller eines Modells vor seiner Freigabe zum Verkauf genau prüft, ob es denn auch gelungen ist. Da die Maßstäbe der einzelnen Hersteller natürlicherweise etwas unterschiedlich sind, sie sich bei der Auswahl oder Interpretation der zugrundegelegten Unterlagen auch irren können und viele Sammler auch nicht blind jedes Modell kaufen, halte ich Besprechungen von Neuerscheinungen und besondes von Wiederauflagen schon für wichtig.


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RE: Rezensionen

#3 von Florian Österreicher , 22.06.2015 16:32

Lieber Herbert,

Ich verstehe Deine Überlegung und stimme Dir zu, wenn Du sagst, dass ein Hersteller ein Modell sehr gut überprüft haben sollte, bevor es in die Serienfertigung geht. Dennoch finde ich es gut, wenn Kunden und Sammler Modelle, die sie kaufen auch kritisch betrachten und dann entsprechende Rezensionen für andere Interessierte verfassen.

Dazu folgende Überlegungen:
Die Anfertigung von Vorserienmodellen ist zweifellos ein wichtiger Aspekt jedes Fertigungsprozesses. Die von Dir genannte Zahl von 4 Protoypen sollte dabei keine Seltenheit sein - oft ist es notwendig, verschiedene Varianten, Bemalungen, Detaillierungsgrade und damit Arbeitsaufwände miteinander zu vergleichen. Auch ich habe Prototypen des von Dir genannten Herstellers und kann sagen, dass sie ganz gewaltig vom Serienmodell abweichen. Für meine zuletzt fertig gestellte Silver Cloud gab es übrigens 6 verschiedene Vorserienmodelle.
Es stimmt, dass ein Modell zum Zeitpunkt des Verkaufes in allen Puntken überprüft und stimmig sein sollte. Die Praxis zeigt allerdings, dass dies keineswegs der Fall ist. Von falschen Rumpffarben über falsche Proportionen und - mein Lieblingsthema und häufigster Fehler - falsche Rumpflinien passiert eigentlich alles einmal. Manchmal, weil wohl keine Pläne vorlagen, nicht genug Mühe und arbeit investiert wurde, oder einfach in der Umsetzung Fehler gemacht wurden. Dies übrigens auch im Hoch-und Höchstpreisigen Segment, wo Überdetaillierung von den Linen des Schiffes ablenkt. Vielen Sammlern fällt dies nicht auf, oder es ist ihnen egal. Jene mit einem guten Auge oder dem nötigen Wissen sollten dieses aber teilen, finde ich.

Eine Rezension nach dem Erscheinen des Modells bringt nichts?
Ich finde schon.
Es macht sowohl den Hersteller als auch die Kunden auf etwaige Fehler aufmerksam, denn keiner baut wohl absichtlich etwas falsches, möchte ich hier mal vermuten... und ich glaube auch nicht, dass jeder Sammler sein Wunsch- schiff immer kaufen würde, ungeachtet der Qualität. Da ich nicht nur Hersteller, sondern auch Sammler bin, kann ich dies mit absoluter Sicherheit sagen.
Und auch Deinem letzten Punkt möchte ich widersprechen: Keinem Hersteller wird eine negative Rezension egal sein, wenn er auf lange Sicht erfolg haben will. Sie gibt ihm vielmehr die Möglichkeit, angesprochene Kritikpunkte zu überarbeiten und in der nächsten Auflage entsprechend umzusetzen. (Mein Dank hier an Michael, der mich ein einer von ihm verfassten Rezension auf einen Irrtum beim Anbringen der Decals aufmerksam gemacht hat!) Vielmehr verfolgt jeder Hersteller eine unterschiedliche Strategie und spricht eine unterschiedliche Zielgruppe an.
Das eine Modell ist billig, das andere höchst detailliert und das dritte umso besser bemalt. Verschiedene Qualitäten, verschiedene Preise. Solange eine Kritk also fair und an das entsprechend zu erwartende Niveau angepasst ist, finde ich sie hilfreich - sowohl für Sammler, als auch für Hersteller.


 
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RE: Rezensionen

#4 von Michael , 22.06.2015 16:51

Hallo!

Da ich zu den Rezensenten gehöre, möchte ich meine Sichtweise dazu auch gern darstellen. Ich halte Rezensionen aus den oben schon erwähnten Gründen ebenfalls für sinnvoll, gerade auch um die Modellbauer zu einer guten oder noch besseren Leistung zu animieren. Mir ging es nie darum, ein Modell und schon gar nicht den Modellbauer schlecht zu reden. Dafür habe ich viel zu viel Respekt vor der Arbeit dieser Künstler! Aber manchmal ist oder erscheint etwas nicht stimmig und manchmal ist etwas schlicht fehlerhaft. Ich gehe auch davon aus, dass jeder Modellbauer sein bestmöglichstes gibt, aber ohne ein Feedback schleichen sich vielleicht systematische Fehler ein oder Kleinigkeiten werden weniger beachtet und entsprechend weniger genau nachgebildet. Nach dem Modell ist ja meist vor dem Modell.

Klar, wenn es keine Alternative gibt, weil ein und dasselbe Modell gleich bei mehreren Herstellern erscheint, wird kein Sammler sein gewünschtes Modell wegen einer 'schlechten' Kritik im Laden stehen lassen. Im Übrigen kommen die Rezensionen dazu meist viel zu spät. Und manchmal bekommt man erst durch die Rezension Hinweise bzw. Begründungen für vermeintliche Schwächen eines Modells, denn nicht selten habe ich es erlebt, dass ein Hersteller den einen oder anderen kleinen Fehler durchaus kannte, aber aus guten Grund (z. B. aus fertigungstechnischen Gründen) in Kauf genommen hatte.

Ich habe im HR immer gern die Rezensionen mit all den Hintergrundinformationen rund um das Original gelesen. Natürlich kann man das alles selbst im Internet herausfinden (Nur für Frau Merkel "ist das Internet Neuland"), aber dazu muss man auch immer die Zeit und die Muße haben. Von mir aus darf es also durchaus weiterhin (oder überhaupt wieder!) vollständige Rezensionen geben.

Es grüßt

Michael


 
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RE: Rezensionen

#5 von Sönke W. , 22.06.2015 21:38

Guten Abend,

aus meiner Sicht ist bei einer Rezension die Betrachtung des Modells das entscheidende Kriterium - alles andere wäre keine Rezension. Ich lese auch keine Buchrezension, wenn es dabei nicht um den Inhalt des Buches gehen würde, was sollte mir das bringen?

Natürlich ist die Geschichte über das Original des Modells auch sehr interessant und sollte auf keinen Fall fehlen, aber die faire Beurteilung des Modellschiffes kann bei mir für die Kaufentscheidung wichtig sein! Dazu gehört es auch Fehler sachlich anzusprechen - für manchen mag es nicht von Bedeutung sein ob (wie Florian schrieb) die Linien getroffen sind, oder der Schornstein (für mich ein sehr wichtiges Kriterium!) dem Original entspricht, für andere Sammler dürfte diese Info aber schon wichtig sein.

Und ja, auch ich habe schon Modelle nicht gekauft, die für meine Sammlung eigentlich ein "muss" waren, wenn die Qualität nicht gestimmt hat und diese Entscheidung hat auch schonmal ein Modell einer "Edelschmiede" in Schleswig-Holstein getroffen ...

Ich bin auf jeden Fall der Meinung: Bei einer Rezension sollte sowohl das Modell als auch das Vorbild zu betrachten werden, nur so ist das Bild "rund".

Herzliche Grüße
Sönke


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