„Admiral Nachimov“ für 1905: bisher ein Problemfall

#1 von Claudius , 10.02.2019 12:17



Es tut mir leid, wenn ich jetzt einige enttäuschen muss, die bereits ein Fertigmodell der Admiral Nachimov besitzen.
Eine einigermaßen korrekte Admiral Nachimov kann man zur Zeit nur durch Umbau erhalten. Die bekannten Fertigmodelle früherer Produktionen (Stauffenberg, Copy) geben das Schiff leider nicht korrekt wieder.
Die bisherigen Modelle der Admiral Nakhimov sind in einem besonders auffallenden Detail nicht korrekt: für die große Brücke über den Geschütztürmen in Schiffsmitte gibt es kein Vorbild.
Diese falsche Brücke sieht auch sehr merkwürdig aus, denn sie liegt extrem hoch, sogar höher als der gepanzerte Kommandostand auf der eigentlichen Brücke vor dem Schornstein. Unter den vielen Fotos und Plänen habe ich kein entsprechendes Vorbild dafür gefunden. Die Schiffe des Russisch-Japanischen Krieges sind in den letzten Jahren im Internet und durch Bücher gut dokumentiert worden, oft stehen jetzt auch Pläne zur Verfügung.

Das WTJ 3D-Druck-Modell ist das von der Decksaufteilung her z.Zt. einzig korrekte Modell der Admiral Nachimov. Auch hier gibt es Unstimmigkeiten und der Zeitraum der im Modell dargestellt wird ist unklar. Einige Details sind durch Pläne oder Fotos nachvollziehbar, so z.B. die dreiviertelkreisförmige „Schiene“ im Bugbereich, von der ich nicht feststellen konnte, ob sie 1905 noch vorhanden war (Jim Baumann bezeichnet sie in einem Baubericht seines 1/700er Modells als Laufschiene des Ankerkrans). Der "Kran" bestand offenbar ursprünglich aus einem auf Deck angebrachten, drehbaren Balken.



Nach der Fertigstellung des Schiffes 1888 wurde die Admiral Nakhimov sofort zur Wahrung der russischen Interessen nach Asien entsandt, wo sie dann auch die meiste Dienstzeit verbrachte. U.a. besuchte sie 1889/90 auch Japan.
Sie befand sich zu einer Modernisierung in Kronstadt, als sie der Flotte des Admirals Roschestwenski zugeteilt wurde. AN war eines jener veralteten Schiffe der russischen Flotte, die die Reise nach Asien 1904 nicht hätten antreten dürfen. Überraschenderweise muss sie sich aber technisch gut gehalten haben, denn sie taucht in den Briefen des Geschwaderschiffbaumeisters E.S. Politowski nur mit einer einzigen Havarie auf.



Aber zum Modell. Überhaupt ist eigentlich wenig umzubauen: einige kleinere Geschütze und Davits hinzufügen, die Rohre der mittleren Türme müssen (wie auf den Originalfotos auch zu sehen) nach hinten ausgerichtet werden. Eine Rohrstellung ganz nach vorn war beim Original nicht möglich, da die beiden Dampfpinassen den Geschützrohren im Weg waren (!). Also Rohre abschneiden und durch neue aus Draht ersetzen. Die Dampfboote aus dem Zubehörset 1/1500 von WTJ passen fast exakt in die Lücke zwischen Brücke und den Geschütztürmen. Die bereits angegossenen „Lager“ ermöglichen ein sicheres Verkleben der Boote.
Und nun zu dem dominanten „Baugerüst“ vor der eigentlichen Brücke, das vermutlich 1898 hinzugefügt wurde. Wollte man eine erhöhte Plattform für zwei kleine Geschütze erhalten? Ich konnte das leider nicht klären. Sehr filigran hat WTJ die vier Stützen auf jeder Seite dieses „Gerüsts“ dargestellt, sogar die kreuzweise Verstrebung an der Vorderseite ist vorhanden. Leider habe ich vergessen vor dem Umbau ein Foto zu machen. All diese feinen Stützen stehen frei, aber im Innern des „Gerüsts“ befindet sich (sicher aus Stabilitätsgründen) ein Materialklotz… Höchstwahrscheinlich fällt diese Konstruktion nach dem Bemalen in schwarz kaum noch auf, ich war aber nicht zufrieden damit und beschloss den Klotz abzutragen und das „Gerüst“ neu zu bauen. 0,3 mm Messingdraht hält nun die beiden übereinanderliegenden Plattformen mit 8 Stützen auf Abstand und gestattet den freien Durchblick. Es brauchte mehrere Anläufe und kostete viele Nerven ehe ich dieses Ergebnis erzielte… Darauf wurden dann noch zwei Geschütze in Bohrungen verklebt, jedes Geschütz bestehend aus Standfuß, Rohr und Schild.



Die Admiral Nakhimov wurde, wie die meisten russischen Schiffe dieser Zeit, vielfach umgebaut. Es ist mir aufgrund der Sprachbarriere deshalb nicht möglich, dies zeitlich einzuordnen und nachzuvollziehen. Da ich z.B. nicht zweifelsfrei feststellen konnte, ob die Admiral Nachimov 1905 noch ihre Torpedoschutznetze trug, habe ich die Spieren weggelassen.
Die Masten z.B. wurden sehr oft zurück-, und wieder aufgebaut. Ich habe mich für Masten mit reduzierten Rahen entschieden, wie sie vermutlich 1904 vor der Schlacht von Tsuschima vorhanden waren. Als der japanische Hilfskreuzer Sado-Maru nach der eigentlichen Schlacht die AN sichtete, wurde von dort ein Foto gemacht das die Admiral Nakhimov von achtern zeigt: an den Masten sind keine Rahen erkennbar.
Nach Auswertung der Vorbildfotos kann ich Folgendes zur Bemalung sagen:
Früh: Schwarzer Rumpf, weiße Aufbauten, gelber Schornstein; Masten und Rahen verm. auch weiß, durch Fotos sind sowohl schwarze wie auch weiße Drehtürme belegt. Teilweise auch ein weißer Streifen an der Deckskante entlang.
Auslandsreisen: Weißer Rumpf, ebensolche Aufbauten und Geschütztürme; gelber Schornstein
Für Mutige: es gibt ein Foto der Admiral Nakhimov aus Port Arthur, das sie Weiß über alles zeigt, Untermasten auch weiß, oben schwarz. Dazu gelber Schornstein und … vermutlich gelbe Geschütztürme! Jedenfalls sind sie nicht weiß!
1904/1905: Schwarz über alles, weiße Geschütztürme, gelber Schornstein.

Das Modell ist im Bereich um den Schornstein herum nicht leicht zu bemalen. Wenn immer filigranere 3D-Modelle auf den Markt kommen, wird es zunehmend Probleme geben. Nicht alles, was zu drucken ist, ist mit Spritzpistole und Pinsel auch erreichbar. So ist auch bei der Admiral Nakhimov der Bereich um den Schornstein herum vorbildgerecht auf das Niveau des Hauptdecks abgesenkt: das Bemalen wird dadurch aber erschwert.



Viel Spaß bei Umbau!

Angefügte Bilder:
MR 1.jpg  

 
Claudius
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RE: „Admiral Nachimov“ für 1905: bisher ein Problemfall

#2 von BVL Dock 5 , 10.02.2019 12:45

Auch wenn das überhaupt nicht mein Sammelgebiet ist, ein toller Bericht und spannend zugleich.
Der Umbau ist ebenfalls große klasse und das Ergebnis überzeugend. Danke, Claudius, für diesen Beitrag
und schöne Fotos. Nur eine Frage: sind die Masten gelötet oder geklebt? Ich vermute gelötet.
Nochmals besten Dank.


BVL Dock 5  
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RE: „Admiral Nachimov“ für 1905: bisher ein Problemfall

#3 von Andreas Harnack , 10.02.2019 18:47

Super Bericht, super Umbau. Den Umbauspass werde ich auch haben, mein AN ist im Anflug.
Gruß
Andreas


 
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RE: „Admiral Nachimov“ für 1905: bisher ein Problemfall

#4 von Claudius , 10.02.2019 22:05

Ja, die Masten sind gelötet, die Plattformen und Scheinwerfer aus Plastik. Andreas Harnack macht schönere Masten, die auch noch konisch zulaufen. Aber ich bin mit dem Erreichten eigentlich ganz zufrieden ...


 
Claudius
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