Gesuperte Modelle

Mehr russische Torpedoboote für 1904/1905: BOEVOI und FOREL-Klasse

 von Claudius , 22.03.2018 17:09

BOEVOI ex SOM



Das oben abgebildete schwarze Torpedoboot kennen viele Sammler. Als BOEVOI verkauft, ist es eines jener vier MERCATOR-Modelle (M 331) , die seit ihrem Erscheinen ca. 1970 unsere Vorstellung von russischen Torpedobooten der Zeit um 1900 / 1905 bestimmten. Welches Boot MERCATOR wirklich darstellte, ist unklar, keinesfalls aber das Vierschornsteinschiff BOEVOI ! Auch der nachfolgende Ersatzbau von 1906 kommt eigentlich nicht in Betracht, der hatte zwar zwei gleich dicke (!) Schornsteine, aber drei Torpedorohre an Deck und eine anders gestaltete Brücke. Die „aufgepilzten“ Schornsteine sind ein weiteres, merkwürdiges Produktionsmerkmal der ansonsten von mir immer noch sehr geschätzten Mercator-Serie russischer Kriegsschiffe.
Es ist erstaunlich, dass sich überhaupt ein Hersteller für dieses Torpedoboot interessiert: die BOEVOI (ex SOM, umbenannt 1902) war ein Einzelexemplar, gebaut in GB bei Laird, das im Krieg 1904/05 in Port Arthur Flottillenführer war, wo sie im Juli 1904 torpediert und nach Rückkehr in den Hafen zum Kriegsende durch die eigene Mannschaft versenkt wurde.
Die nun von WTJ als 3D-Druck produzierte BOEVOI (Best.-Nr. WTJ-0100415) muss zugleich noch für andere Laird-Zerstörer herhalten. Der Bootstyp ist gut wiedergegeben, selbst die versetzt angeordneten großen Lüfter sind vorhanden, die knapp 65 m Originallänge sind mit 5,3 cm gut dargestellt. Es sollten die üblichen Nachrüstungen vorgenommen werden: Geschützplattform (2 x) abschleifen, vordere Plattform von der Form her durch ein Stück Plastiksheet ändern. Sechs Geschütze, der Mast, und hier auch 2 Beiboote, müssen ergänzt werden. Ich habe es so gemacht:



Das Boot trug seit Überführung von GB nach Kronstadt 1901 die schwarz/gelbe Bemalung; während der Überführungsfahrt nach Asien im selben Jahr wurde in Griechenland auf weiß/gelb umgepönt. Im Konflikt mit Japan trug es dann den khakifarbenen Kriegsanstrich. Standardmäßig hatten die Boote ein rotbraunes Linoleumdeck (Quelle für alles: Morskaya Kollektsiya №5 2000: „VNIMATELNYY und andere Port Arthur-Zerstörer ausländischer Bauart“)

Und so sieht mein Modell für Ostasien in der Bemalung ab September 1904 aus:



FOREL-Klasse

Von Europa nach Asien überführt werden mussten auch die fünf Schiffe dieser Klasse. Auf französischen Werften gebaut, folgten die Torpedoboote, anders als BOEVOI, stilistisch und technisch den französischen Ansichten der Zeit. Sie wurden 1901/1902 fertiggestellt. Alle Boote waren während des Russisch-Japanischen Krieges in Port Arthur stationiert. Aus der FOREL, die der Klasse den Namen gab, wurde bereits 1902 die VNIMATELNY, die anderen Boote hießen nun VNUSHITELNY, VYNOSLIVY, VLASTNY und GROZOVOY. Nur die beiden letzten überlebten den Krieg.



Insbesondere der runde (wie bei einem U-Boot geformte Rumpf) fällt auf. Darauf ist als Plattform das Deck aufgesetzt worden. Das WTJ-Modell gibt diese Bauart gut erkennbar wieder.
Auch hier ist wiederum die Artillerie zu ersetzen bzw. zu ergänzen. Zusätzlich trug die Klasse einen leicht nach unten gerichteten Bugspriet. Der Turm mit dem Buggeschütz liegt wirklich etwas tiefer als der dahinterliegende Scheinwerferstand, der nur auf einer einzigen Säule ruht. Das WTJ-Modell hat an beiden Seiten des Turmes mit dem Buggeschütz kleine „Öhrchen“, die vollständig entfernt werden müssen (das geht mit einem Skalpell aber schnell). Die Treppe zwischen den beiden Türmen ist im 3D-Modell übrigens vorhanden… Der Platz für den Mast zwischen Scheinwerferstand und erstem Schornstein ist leider zu schmal ausgefallen, Sandpapier hilft die Lücke zu vergrößern. Der Mast besaß keine Rah; erst die Überlebenden VLASTNY und GROZOVOY wurden später (u.a.) durch Einbau eines zweiten Mastes modernisiert. Unmittelbar vor dem dritten Schornstein befand sich ein Steuerstand, den ich durch zwei Stückchen Plastic Sheet angedeutet habe.
Das WTJ-Wargaming-Modell WTJ-0100406 ist sowohl als französische Framee-Klasse, als auch als russische Forel-Klasse vorgesehen, leider wird dadurch keine der beiden Klassen wirklich korrekt wiedergegeben. Als russischer Typ muss die Abfolge der Details auf dem Achterdeck korrigiert werden. Durch abschleifen erhält man ein glattes Deck, auf dem das Torpedorohr, der hintere Niedergang (rund, mit Plattform) und das Geschütz montiert werden können.



Die Details der Bemalung entsprechen denen der BOEVOI, anders ist aber die Decksfarbe. Beim Original wurde ein Holzleistendeck eingebaut, das ich durch einen sehr optimistischen Ockerton dargestellt habe.
Diesmal habe ich mich bemüht, die Geschütze noch kleiner als bisher zu machen, sie bestehen ja ohnehin nur aus verlötetem 0,3 mm Messingdraht. Trotzdem finde ich, dass sie gerade im Bereich der Brücke noch zu massig wirken. Ich glaube aber, „kleiner kann ich nicht“…
Die fertigen Modelle sehen bei mir so aus:

Claudius
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Mehr russische Torpedoboote für 1904/1905: BOEVOI und FOREL-Klasse Claudius 22.03.2018
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